Von der ersten Besiedlung bis zum Ende des 18. Jahrhunderts

Fachwerk in der Paulinenstraße

Die erste Besiedlung auf Friolzheimer Markung dürfte wohl bereits in der keltischen Eisenzeit (800 - 600 v. Chr.) stattgefunden haben. Davon zeugen die im Hagenschieß, Abt. Stockhau, liegenden Hügelgräber.

Auch aus der Römerzeit lassen sich Zeugen einer Besiedlung nachweisen, Im Jahr 1934 wurde vom Verwalter a. D. Bleher im Gewann „Rauhbrunnen“ 250 m westlich der Straße nach Heimsheim ein römisches Gehöft festgestellt. Ein weiterer Fund, ebenfalls aus dem Jahr 1934, ist ein auf dem Acker des Karl Bossert im Gewann Haslach gefundener römischer Meilenstein (Leugenstein), wenige Schritte südlich der alten Handels- und Heerstraße zwischen den römischen Legionen in Cannstatt, Pforzheim und Ettlingen.

Im Jahr 1928 wurden von Herrn Bleher in der Flur "Darre" zwischen der Leonberger und Mönsheimer Straße in 60 cm Tiefe acht Reihengräber gefunden, die als Beigaben Tongefäße und Messer enthielten. Die Gräber waren alemannischer Art.

Die Alemannen, die nach der Vertreibung der Römer Mitte des 2. Jahrhunderts n. Ohrr in unseren Raum kamen, haben wohl den Ort gegründet.

Der heutige Namen Friolzheim (Heim des Friolf) stammt jedoch aus der Siedlungszeit der Franken, die im 5. Jahrhundert n. Chr. ihre Grenze bis an die Glems vorgeschoben haben. Die ersten Nachrichten über Friolzheim (1281 Friolfheim) stammen aus der Zeit zwischen 1100 und 1120.

Damals kaufte der Speyrer Bürger Bebo den Friolzheimer und Tiefenbronner Besitz des Klosters Hugshofen im Elsaß um 33 „Gulden“, sowie den Besitz der Mönche vom Petersberg (bei Fulda?), die damals ebenfalls im Dorf begütert waren um 90 „Gulden", um ihn an das Kloster Hirsau zu verschenken.

Dies wird In einer päpstlichen Bestätigung 1120 erwähnt. Im 14. Jahrhundert kam Friolzheim in den Besitz der niederadeligen Herren von Steinegg.

Im Jahre 1407 wiederum verkaufte Jakob v. Steinegg seinen Besitz in Friolzheim an die Herren von Gemmingen. Um diese Zeit hatte auch das Kloster Reichenbach Besitz in Friolzheim; früher schon Friedrich von Enzberg, der 1325 seinen Besitz an einen Bürger Riß in Pforzheim verkaufte.

Dietherus de Gemmingen 1283

Bei einer Erbteilung 1425 derer von Gemmingen fiel der Friolzheimer Besitz an Diether v. Gemmingen. Von ihm kam Friolzheim 1448 teilweise an Baden. Vom Markgrafen Jakob I. von Baden (1453) wurde es testamentarisch seinem Sohn Bernhard vermacht, aus dieser Zeit stammt das badische Wappen am Schlussstein des Chorgewölbes der heutigen Pfarrkirche. Bernhard, Markgraf v. Baden gab den Besitz dann wieder an Diether v. Gemmingen „den Alteren“ zurück, der im Jahr 1461 „sein Dorf Friolzheim samt Markung, Vogteien, Gericht, Zwingen und Bannen, Beden, Boden, Steuern, Diensten, Wald und Wasser, einschließlich zwei Weiher, die Rudolfswiese, den Gemminger Wald, den Geissberg und die Hälfte des gemeinen Hagenschießwaldes um 1600 Gulden an das Kloster Hirsau verkaufte.“

Nach diesen wechselvollen Zeiten blieb Friolzheim beim Klosteramt Hirsau bzw. beim württ. Kirchengut bis zur Übernahme in das Oberamt Calw (1807) bzw. ein Jahr später (im Jahr 1808) in das Oberamt Leonberg.

Die zwischen Friolzheim und den Orten Mühlhausen und Tiefenbronn bis 1853 bestehende Marktgenossenschaft wurde im 15. Jahrhundert etwas gelöst. Die bisherige Friolzheimer Kirchenfiliale in Tiefenbronn wurde mit Zustimmung des Abtes von Hirsau und des Pfarrers von Friolzheim 1455 zur selbstständigen Pfarrei erhoben. Eine gewisse Verbindung zwischen den Orten ist jedoch bis heute erhalten geblieben.

Als man hundert Jahre später den Weinbau am Geissberg aufgab, war Friolzheim ganz in hirsauischem Besitz. Auch die Güter der Klöster Reichenbach und Bebenhausen und der Hof des Friedrich von Enzberg im Dorf waren an das Kloster gefallen. Nach dem Lagerbuch von 1565 ist der Prälat von Hirsau „der rechte einige Eigentums- und Grundherr.“ In der Mitte des 16. Jahrhunderts scheint Friolzheim evangelisch geworden zu sein. Die Liste der evangelischen Pfarrer beginnt jedenfalls mit dem Jahr 1542.

Zwei Jahre zuvor, also im Jahre 1563, erbaute sich das Kloster eine große Zehntscheuer, die heute noch erhalten ist und die neben der Kirche das älteste Bauwerk in Friolzheim darstellt. Die Kirche, die dem HI, Agapitus geweiht ist, hat ihre ältesten Teile im Turm, in dessen Chor das badische Wappen auf einen Baubeginn um die Mitte des 15. Jahrhunderts hinweist. Das Südportal des Kirchenschiffes erwähnt mit der Jahreszahl 1522 wohl das ungefähre Ende der Bauzeit.

Die später eingebaute zweiseitige Empore nimmt unserer Dorfkirche im Innern viel von ihrer ursprünglichen Klarheit, ebenso wie im Äußeren - bis vor einigen Jahren - der Aufgang zur Empore an der Westseite des Schiffes. Doch zeigt sie, zusammen mit dem sie umgebenden Kirchhof und dessen Mauern, noch einigermaßen die ursprünglich wehrhafte Anlage, die einst für die Einheimischen eine Zufluchtstätte „in Kriegsläufen war, darin sie ihr Vieh verwahren“ konnten, 1598 wurde ein neues Pfarrhaus gebaut.

Im selben Jahr hatte Friolzheim 43 Bürger, ohne die Witwen, im Jahr 1654 waren es 170 und im Jahr 1656 190 Seelen. Im Jahr 1700 wurden 285 und im Jahr 1703 308 Seelen verzeichnet. Im Jahr 1730 zählte Friolzheim 437 Einwohner und im Jahr 1740 394 Einwohner. Einer der Friolzheimer, die weit über die Ortsgrenze hinauskamen, war Joh. Josua Stutzmann. Dieser wurde im Jahr 1777 in Friolzheim geboren und war bis 1816 Dozent der Philosophie an der Universität Erlangen.

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