Vom 19. Jahrhundert bis in die heutige Zeit

Zehntscheune aus dem Jahr 1563

Die neuere Friolzheimer Ortsgeschichte von der Erlangung des Marktrechts im Jahr 1832 über die Kreisreform 1973 bis in die heutige Zeit hat einige interessante Fakten aufzuweisen, die wir Ihnen hier dokumentieren möchten.

Erfolgreich bemühte sich die Gemeinde zu Anfang des 19. Jahrhunderts um die Abhaltung von Märkten. Seit 1832 besitzt Friolzheim das Marktrecht für 2 Märkte (Wintermarkt im Februar und Pfingstmarkt am Pfingstmontag), die bis heute guten bis sehr guten Besuch zu verzeichnen haben. Gleich der 1. Vieh-Markt am 24. Februar 1832 wurde mit 428 Pferden und 404 Stück Rindvieh beschickt. Davon wurden 211 Pferde und 111 Stück Rindvieh verkauft. Ein dritter Markt wurde später wieder aufgegeben. Besondere Bedeutung für die Bevölkerung auch der näheren und weiteren Umgebung hat vor allem der traditionelle Pfingstmontag-Markt gewonnen.

Im Jahr 1842 baute sich die Gemeinde ein neues Rathaus in der Ortsmitte, nachdem das alte zuvor am Kirchhof stehende Rathaus baufällig geworden war. Im Jahr 1852 zählte die Gemeinde 761 Einwohner.

Bei einem Großbrand am 19.08.1895 brannten während der Erntezeit mitten im Dorf 12 Häuser vom Gasthaus „Löwen“ bis zur heutigen Metzgerei in der Kirchstraße, nieder.

Das Jahr 1909 brachte den Bau einer Wasserleitung, damit war die Wassernot zu Ende, die trotz der 10 Brunnen im Ort oft recht groß gewesen war. Der Fertigstellung der Hauswasserleitung folgte während des ersten Weltkrieges die Einrichtung des elektrischen Lichtes in den Jahren 1912 - 1915.

Den 41 Gefallenen und Vermissten des ersten Weltkrieges setzte die Gemeinde im Jahre 1921 am Marktplatz ein Denkmal, das heute, zusammen mit den im Jahre 1959 angefügten Seitenteilen für die 69 Opfer des zweiten Weltkrieges, neben der Kirche einen würdigen Platz des Gedenkens bildet.

Im Jahre 1930 hatte die Gemeinde Friolzheim 781 Einwohner.

Vor der Besetzung durch französische Truppen am Ende des zweiten Weltkrieges wurden am 15. und 17. April 1945 durch Beschuss des Ortes 13 Einwohner getötet und hoher Sachschaden angerichtet.

Nach dem Ende des zweiten Weltkrieges vollzog sich in dem 1939 658 Einwohner zählenden Bauerndorf wie in vielen Gemeinden im Stuttgarter Raum ein enormer Strukturwandel. Die im Jahr 1946 nach Friolzheim eingewiesenen, vornehmlich aus dem Sudetenland kommenden 190 Heimatvertriebenen und die 126 in den 50er Jahren aus Mitteldeutschland kommenden Flüchtlinge trugen zunächst mit zur schnellen Umwandlung vom Bauerndorf zur Arbeiterwohngemeinde bei, die sich bis zum Jahr 1950 auf 936 Einwohner erweiterte. Vor dem Krieg und in den Jahren nach Ende des zweiten Weltkrieges mussten viele Arbeiter zur Arbeit mit dem Bus in den Stuttgarter, Sindelfinger oder Pforzheimer Raum pendeln. In der Zwischenzeit ist es der Gemeinde gelungen, hier am Ort zahlreiche Gewerbebetriebe anzusiedeln, die vielen Menschen an ihrem Wohnort Arbeit bieten. Unmittelbar nach Kriegsende wurde zur Verbesserung der Bewirtschaftung der landwirtschaftlichen Flächen im Jahr 1947 mit der Flurbereinigung begonnen.

Trotz anfangs großer Widerstände hat sich diese Maßnahme nach deren Abschluss im Jahr 1954 doch für viele Landwirte als eine nicht mehr wegzudenkende Erleichterung und teilweise wirtschaftliche Verbesserung erwiesen. In den letzten 40 Jahren wurden in der Gemeinde zahlreiche Baulandumlegungen durchgeführt und so Platz für weitere Wohnund Gewerbegebiete gewonnen.

Unter anderem wurden die Neubaugebiete „Lehen I-V“, „Birkbusch“, „Brühl“ und „Feld“ erschlossen und bebaut. Eine wesentliche Erweiterung der Gemeinde, die im Jahr 1961 1200 Einwohner und im Jahr 1971 2.023 Einwohner zählte, ergab sich durch eine große Erschließungsmaßnahme im Gewann „Schelmenäcker”. In verschiedenen Bauabschnitten wurden dort von der Wohnungsbaugesellschaft EIWOBAU in großem Ausmaß Einfamilien-, Reihenbungalows und Einfamilien- Reihenhäuser erstellt. In diesem Gebiet haben auch die ev. Kirchengemeinde und die kath. Kirchengemeinde mit einem kirchlichen Zentrum Platz gefunden. Die Jahre ab 1975 brachten die Baulandumlegung, Erschließung und Bebauung des Baugebietes „Wengert“ mit ca. 75 Bauplätzen. Dadurch war es möglich, dass wiederum eine größere Anzahl von Personen von auswärts zuziehen und in unserer Gemeinde eine neue Heimat finden konnten. Die teilweise Erschließung des Baugebietes „Lüsse“ wurde im Jahre 1985 durchgeführt.

Eine Veränderung im inneren Gemeindebereich hat sich in den letzten Jahren teilweise durch mehrere Brandkatastrophen ergeben, die unter anderem auch das allseits bekannte Gasthaus „Zum Rößle“ zum Aschenhaufen werden ließen. Um eine neuzeitliche, ,großzügige Dorfentwicklung durchführen zu können, konnten die abgebrannten Gebäude nicht wieder erstellt werden.

Veränderungen haben sich für die Gemeinde auch durch die auf 01.01.1973 vollzogene Kreisreform ergeben. Durch Landesgesetz wurde - entgegen einem eindeutigen Bürgervotum - der Kreis Leonberg aufgelöst und die Gemeinde Friolzheim, zusammen mit der Stadt Heimsheim und der Gemeinden Mönsheim und Wimsheim, dem neu gebildeten Enzkreis mit Sitz in Pforzheim zugeschlagen. Die Gemeinde Friolzheim gehört seit diesem Zeitpunkt zum Regierungsbezirk Karlsruhe und zur Region Nordschwarzwald. Die Umkreisung hatte zur Folge, dass manch alte gewohnten Behördengänge in andere Richtungen gelenkt werden mussten. Die vom Land Baden-Württemberg auf 1.1.1975 beschlossene Gemeindereform hat für Friolzheim zwar nicht - wie für viele andere Gemeinden - den Verlust der Selbstständigkeit gebracht, doch hat sich die damals 2389 Einwohner zählende Gemeinde bereits am 21. 06. 1974 mit der Stadt Heimsheim und den Gemeinden Mönsheim, Wiernsheim und Wimsheim zu der heute fast 20.000 Einwohner umfassenden Verwaltungsgemeinschaft „Heckengäu“ zusammengeschlossen, dem durch Landesgesetz vom 09. 07. 1974 auch noch die Gemeinde Wurmberg zugeordnet worden ist.

Die guten Gewerbesteuereinnahmen hat die Gemeinde Friolzheim den örtlichen Handwerksbetrieben und dem örtlichen Gewerbe zu verdanken. Neben zahlreichen Handwerksbetrieben (Malerbetrieb, Flaschnerei, Schlosserei, Fliesenleger, Bäckerei und Konditorei, Metzgerei, Raumausstatter; Elektriker, KFZReparaturbetriebe, Friseurgeschäfte usw. sind unter anderem in Friolzheim folgende Gewerbezweige vertreten: Banken, Bauunternehmen, Brennstoffhandel, Farben-Fachgeschäft, Fuhrunternehmen, Garagenbau, Getränkehandel, Großhandelsunternehmen, Großhandel für Molkereiprodukte, Güterfernund Güternahverkehr, Heizungsbau, Maschinenhandel, Maschinenfabrik, optische Fabrik, Omnibusunternehmen, Parksystembau, Radio- und Fernsehgroßhandel, Sägewerk, Schreibwarengeschäft,Werkzeughandel und Werbebüros.

Das rasante Wachstum der Gemeinde brachte jedoch auch immer wieder die dringende Notwendigkeit zur Erweiterung vorhandener bzw. Schaffung neuer öffentlicher Einrichtungen.

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